Stadt am Meer
Nie weisst du, was
dich
demnächst bezaubert
nie weißt du, was
dich
demnächst bedroht
ob du zum Bleiben
ob du zum Umkehren
gekommen
ob du fremd bist oder von hier
es ist ohne Belang.
Die Stadt
kannte bessere Tage
stolz greift
sie aus
das Meer zu
umarmen
kein Gramm
Speck hat sie zuviel
ihre Ärmel
trägt sie hochgekrempelt
ihr süsses
Brot, ihr Pandolce
ist hart und
kaum dekorativ
ihr Basilikum
verströmt Düfte
die sind für
die Küche und nicht
fürs Boudoir
gedacht.
Beladen
mit Tauen und Kisten
begleitet von den
Gerüchen nach
Seeteufel und
fernen Blüten
nach Hundedreck
nach heiligem
Weihrauch
nach Liebe und Blut
gezeichnet von den
Launen der See
fahren die
Fischerboote herein.
Das Meer gibt vor, eine Bettdecke zu
sein
die die Stadt sich ans Kinn zieht.
Festungen gleich liegen Fähren vor
Anker
stechen abends in See
als Lichterbäume getarnt
draussen aber die Frachter
sehen aus wie gekippte Paläste
Über den Dächern
der Werft
schreiben Kräne
Worte ohne Tinte
neigen sich beharrlich einander zu
als erklärten sie die Liebe
im Wind klimpert ihnen das Tauwerk der
Boote
ein vom Heimweh verordnetes Lied
Am Dom singt San
Lorenzo: Gütiger Vater, Erbarmen
da bersten die
Wolken
und das
alte Meer mit seinen Tatzen
bittet die Stadt
dieses Seeweib
zum Tango