auf dem müllberg ist hochzeit

ein Kinderbilderbuch auf Verlagssuche, mit Illustrationen von Peter Dietschy,

 

Die Geschichte „Auf dem Müllberg ist Hochzeit" handelt von fünf Gegenständen des Alltags, die zu nichts mehr nütze sind und daher im Müll landen. Es handelt sich um ein Stecklein, einen Einkaufszettel, ein Portmonee, einen Kamm und ein Porzellantässchen. Doch, wer hätte es gedacht: sie führen ein sehr abwechslungsreiches Leben. Sie verlieben sich, sie feiern, sie heiraten und verreisen. Dabei verlassen sie ihren Hinterhof und geraten in die Stadt, wo ihnen allerlei Erstaunliches widerfährt. Sie treffen auf verschiedene Gefahren, und es gelingt ihnen jedesmal zu entkommen, wenn auch mit knapper Not. Schliesslich erreichen alle diese Ausreisser ihr Ziel. Die Reise mit ihren Abenteuern war nicht für nichts gewesen.

Es ist der Versuch, lustvoll etwas Ungewöhnliches erzählen, das an jedem Ort zu jeder Zeit passieren könnte. Die Geschichte ist dem Alltag abgeguckt und für den Alltag erzählt. Sie geschieht dort, wo niemand hinschaut. Sie ist schlicht geschrieben und mit einfachen Mitteln kunstvoll illustriert. Sie spricht Kinder an, die nicht lesen können, Kinder, die es können und Erwachsene, die noch schmunzeln mögen. Wer möchte, kann einen Zusammenhang mit der Abfallthematik herauslesen.

(Auszug)

Meist ist Müll nichts als Müll. Und ein Abfallhaufen ist schlicht ein Haufen Abfall. So war es auch an jenem Morgen im Frühling, als im Hinterhof auf einem Abfallberg Stecklein gelandet war. Kurz nach ihm kam Einkaufszettel geflogen. Jemand war am Aufräumen und warf alles in den Hof, was weg musste.

Stecklein richtete sich auf und schaute umher. Direkt neben sich sah er Einkaufszettel und sie verliebten sich auf den ersten Blick. Sie beschlossen zu heiraten. Jetzt wurde Kamm auf den Müll geschmissen und später sogar Porzellantässchen. Die beiden schimpften laut und lange. Sie fanden, sie gehörten ganz sicher nicht hier her.

Als sie aber von der Hochzeit hörten, sagten sie: Fein, wir machen Musik dazu. So kam es, dass an jenem Morgen im Frühling aus dem Hinterhof auf einmal Musik tönte. Nur das dicke rote Portmonee, das in der Nähe herum lag, schlief tief und merkte von der ganzen Aufregung nichts. Ein Distelfink hingegen, der von fern alles beobachtet hatte, flog herbei. Und da er, wie alle Vögel, immer hungrig war, rief er: Wie wär’s wenn wir ein Festessen kochten? Schon fing er an herumzuhüpfen und fand allerlei, das man zum Kochen brauchen konnte.

Einkaufszettel und Stecklein waren so verliebt, dass sie zu tanzen anfingen. Wenn sie Hunger bekamen, assen sie ein wenig, wenn sie müde wurden, schliefen sie ein wenig. Dann tanzten sie wieder und tanzten. Immer weiter. Kamm und Porzellantässchen musizierten. Portmonee war irgendwann auch erwacht und half Distelfink beim Kochen. Sie kochten und kochten. Sogar wenn ihnen schon die Augen zufielen, feierten sie weiter. Sie feierten viele Tage. Es war ein langes und lustiges Fest.

Nach einer Woche war Zettel zerrissen und Stecklein zerbrochen. Porzellantässchen hatte einen Sprung und Portmonee war etwas dünner geworden. Kamm hatte vor lauter musizieren einen Zahn verloren und Distelfink flog davon. Nachdem der Vogel fort war, wollten auch die andern fünf verreisen.

Das zerbrochene Stecklein marschierte aufrecht aber in zwei Teilen zum Hof hinaus und trug den zerrissenen Einkaufszettel vorsichtig mit. Es sah aus, als trüge das doppelte Stecklein beidseitig ein Hütchen. Unterwegs schlug Porzellantässchen Purzelbäume. Kamm spielte Musik dazu und Portmonee lachte. Die Leute staunten und warfen Portmonee Münzen zu.

Da sprang eines Tages auch Porzellantässchen entzwei. Jetzt machte es zwei Purzelbäume nebeneinander, die Leute freuten sich noch mehr und Portmonee wurde schnell wieder dick.

Sie kamen mitten in die Stadt mit ihren fremden Häusern. Hier waren sie noch nie.

Bilder

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